EMILIE VON BRETEUIL, MARQUISE DU CHATELET

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Allgemeine Einführung
 
Emilie du Châtelet war die erste bedeutende Intellektuelle Frankreichs. Im 18. Jahrhundert, während der Herrschaft Ludwigs XV., stand sie in den Bereichen Mathematik, Physik und Philosophie an der Spitze der Forschung. Sie verdient unsere Aufmerksamkeit, Neugier und Bewunderung.

Von 1719 bis 1742 hat sie sich häufig in der hiesigen Umgebung, im heute zerstörten Schloss von Buisson aufgehalten, das ihr Vater Baron Louis-Nicolas von Breteuil in Créteil besaß. Sie gehörte duch ihre Geburt dem französischen Hochadel an, sowie durch ihre Heirat im Alter von 19 Jahren mit dem Marquis du Châtelet, einem Mitglied der militärischen Oberbefehlsführung, mit dem sie drei Kinder hatte (1726, 1727, 1733). Sie war regelmäßiger Gast in Versailles am Hof Ludwigs XV., in den berühmtesten Salons der Pariser Aristokratie und am Hof des polnischen Königs Stanislas im lothringenschen Lunéville. In der Pariser Oper machte sie 1733 die Bekanntschaft von Voltaire, dem berühmtesten europäischen Schriftsteller seiner Zeit, dessen Leben sie bis zu ihrem Tod begleitet hat. Sie lebten und arbeiteten zusammen, unter anderem während der vier Jahre, die sie gemeinsam im Schloss von Cirey-sur-Blaise in der Champagne verbrachten. Dieses Schloss stand im Besitz des Marquis du Châtelet und war ein abgeschiedener Ort, an dem man hervorragend intensiver intellektueller Arbeit nachgehen konnte. 1749 starb sie in noch jungen Jahren an den Folgen der Geburt eines Kindes, das sie mit dem Dichter Jean-François de Saint-Lambert hatte.

Emilie du Châtelet war eine ausgezeichnete Musikerin, die für ihr Leben gern Opernmelodien sang. Mit noch mehr Eifer aber studierte sie Mathematik und Physik, zwei Wissenschaften, die damals eine Blütezeit erlebten und in die sie von renommierten Gelehrten wie den Franzosen Maupertuis und Clairaut, Mitgliedern der Académie des Sciences, oder dem Schweizer Koenig eingeführt wurde. Sie veröffentlichte ein Werk über physikalische Grundlagen (Institutions de physique, 1740), das ab 1743 in mehrere Sprachen übersetzt wurde, und verfasste eine gelehrte Abhandlung über das Wesen des Feuers, die erste wissenschaftliche Arbeit einer Frau, die von der Académie des Sciences in Paris publiziert wurde (Dissertation sur la nature et la propagation du feu, 1739). Eine ihrer herausragenden Leistungen war die kommentierte Übersetzung aus dem Lateinischen von Newtons revolutionären Mathematischen Grundlagen der Natur, der bis dahin noch wenig in Frankreich bekannt war. Diese 1759 veröffentlichte französische Übersetzung ist noch heute in Gebrauch.

Im Jahre 1746 wurde Emilie du Châtelet von deutschen Experten in die Gruppe der zehn weltweit berühmtesten Gelehrten ihrer Zeit gewählt. Wie ihr Freund Voltaire war sie ebenfalls ein „Philosoph“, im Sinne des 18. Jahrhunderts, dem Zeitalter der „Lumières“, d.h. der französischen Aufklärung. So erörterte sie die Prinzipien und die Grundlagen des Christentums, insbesondere in Form einer kritischen Analyse der Bibel, und wollte eine Lebenskunst entwerfen, die sich auf Vernunft und Erfahrung gründet und dabei alle Vorurteile und Volksbräuche verwirft. Das ist der Kern ihrer Rede vom Glück, 1747 geschrieben und 1779 veröffentlicht. Sie liebte das Vergnügung, die Kunst, das Gesellschaftsleben, das Theater, den Prunk sowie Kartenspiele um Geld – bis zum Exzess. Doch vor allem liebte sie es, ihren Verstand zu üben, wobei sie fast die ganze Nacht an ihrem Schreibtisch arbeitete, mit Gelehrten aus ganz Europa in Briefkontakt stand und leidenschaftlich nach Erkenntnis strebte. Nachdem Emilie du Châtelet lange verkannt wurde, entdecken wir in ihr die Figur einer herausragenden Intellektuellen, eine exemplarische Veranschaulichung der Philosophie der französischen Aufklärung sowie die Lebenswelt der Schlösser im 18. Jahrhundert, unter anderem in Créteil und im östlichen Teil des Pariser Großraums.

 

* Chronologie

Biographie und Lebensdaten

Der Wikipedia-Eintrag zu E. du Châtelet