EINE PHILOSOPHIE DES GLÜCKS
Philosophieren über das Glück
War Madame du Chatelet selbst glücklich? Sie hatte alles Glück, alle Freuden, Liebe und Freundschaft, Mutterschaft, gesellschaftliche Anerkennung, Berühmtheit und hochgeistige Befriedigung kennengelernt, aber auch Zweifel, Missgunst, Einsamkeit, Feindseligkeit, Verleumdung, Vorahnung eines frühzeitigen Ablebens. Ihre gesammelten persönlichen Erfahrungen und Ansichten fasste sie kurz vor ihrem Tod in den „Überlegungen das Glück betreffend“ zusammen, das erst nach dem Tod Voltaires unter dem Titel „Rede vom Glück“ erschien. Wie die meisten der mit ihr befreundeten Philosophen glaubte auch Madame du Chatelet nicht an die christliche Vorgabe der Heilsbotschaft als Lebensziel und die göttliche Zusicherung ewigen Lebens. Folglich wurde die Frage nach dem erfahrbaren Glück zu Lebzeiten unerlässlich. Emilie du Chatelet entwickelte diesbezüglich sehr eigene Gedanken: Sie verteidigte die Freude am Spiel, sie gründete die Tugend auf dem Bedürfnis nach Anerkennung, und denkt, dass die „Liebe zum Studium“ den  Frauen viele Möglichkeiten eröffnet, da ihnen „die Tatsache, dass sie Frauen sind“ eine berufliche Karriere verbietet. Sie bemühte sich, die physische Verfassung (die körperliche Gesundheit und das Wohlgefühl) mit der gesellschaftlichen (Wertschätzung seitens des Umfeldes) und der sittlichen (Verwerfung der Laster) zu vereinbaren. Sie vertrat eine sachliche Weltanschauung basierend auf gesundem  Menschenverstand frei von Vorurteilen und Zynismus. Die Überlegungen zur Rolle der Liebe im Glück lassen einen sehr persönlichne und schwermütigen Ton erklingen.

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Kalligraphierte Handschrift, Paris, Bibliothèque Mazarine, Ms 4344

 

 

 

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Link zur deutsche Übersetzung des « Discours sur le bonheur »